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30.05.2017 | Finanzentscheidungen

Humble Inquiry

 

          Edgar H. Schein

          Humble Inquiry

          EHP Edition Humanistische Psychologie

          Januar 2016

         

          ISBN 978-3897970861

 

 

 

 

 

Buch­re­zen­sion von Thomas Witz (2017, Student der Psycho­logie)

 

I Einleitung
In unserem Arbeitsalltag begegnen wir unterschiedlichen Aufgaben. Je nach Beruf und Rang ist unsere Tätigkeit eher aufs Planen, eher aufs Ausführen oder vielleicht gleichmäßig auf diese beiden Felder verteilt. Doch eine Sache, die nicht unmittelbar die Arbeit selbst, sondern die Struktur bzw. die Rolle betrifft, ist allgegenwärtig – die wechselseitige Abhängigkeit. Händler sind von Zulieferern und Kunden abhängig und umgekehrt, Büroangestellte hängen ebenso von höhergestellten Personen ab, wie diese von ihren Angestellten. Ohne Zuarbeit, Inanspruchnahme der angebotenen Dienstleistung von Auftraggebern, Zusammenarbeit usw. kann der Alltag im Beruf nicht gelingen. Genau hier setzt der Autor Edgar H. Schein mit seiner Technik des Humble Inquiry (frei übersetzt: Demütiges Nachfragen) an.
Für Finanzberater, die klienten- statt produktzentriert arbeiten wollen, kann Humble Inquiry ein wertvolles Instrument sein. Statt der bloßen Produktvermittlung von einem informierten Berater hin zu einem vergleichsweise uninformierten Kunden, begibt sich der Finanzberater, um eine Beziehung zum Kunden aufzubauen mittels Humble Inquiry auf eine niedrigere Ebene. Im Gegensatz zum Produktwissen, das der Berater dem Kunden voraushat, ist der Kunde Experte in seiner persönlichen Lage. Fragen wie: „Was bedeutet für mich Geld?", „Was möchte ich erreichen?“ oder „Welches Risiko bin ich bereit, auf mich zu nehmen?“ kann nur der Kunde beantworten, nicht der Berater! In diesen Punkten ist er der Fachmann. Allerdings müssen diese Fragen für die Beantwortung erstmal gestellt werden. Wie das am besten geht?


II Aufbau, Struktur und Gliederung
Das Buch Humble Inquiry von Edgar H. Schein umfasst 137 Seiten inklusive Sach- und Namenregister. Mit Ausnahme von zwei Abbildungen enthalten die Seiten ausschließlich Text. In der Einführung erzählt zunächst Gerhard Fatzer etwas über Edgar Schein und Humble Inquiry. Daran schließt sich eine kurze Danksagung sowie danach die thematische Einleitung, beides von Schein selbst.
Der eigentliche Inhalt ist in sieben Teile gegliedert. Nachdem in 1 Grundlagen und Definitionen vorgestellt wurden, folgt 2 Die Praxis – Fallbeispiele. Als nächstes schildert der Autor in 3 den Unterschied zu anderen Arten von Fragen und berichtet in 4 von der Kultur des Tuns, Sagens und Belehrens. Die folgenden zwei Kapitel 5 und 6 beschäftigen sich beide mit Hemmnissen. Ersteres durch Status, Rang und Rollengrenzen und das zweite durch Intrapsychische Kräfte. Zu guter Letzt geht Edgar Schein auf die Frage ein, wie man am besten die Haltung des Humble Inquiry entwickelt. Anmerkungen sowie Sach- und Namenregister folgen am Ende.
Der Aufbau des Textes unterliegt formal nicht irgendwelchen Regeln. Eine Ausnahme sind Fragen am Ende der Kapitel, die zur Reflektion einladen und Beispiele für die Anwendung geben. Die Einführungen, sowie das letzte Kapitel enthalten keine solchen Fragen.


III Zusammenfassung
Edgar Schein definiert Humble Inquiry als
„[…]die hohe Kunst jemanden zu fragen, Fragen zu stellen, deren Antwort man noch nicht kennt, eine Beziehung aufzubauen, die auf Neugier und Interesse am anderen Menschen basiert.“
Im Verlauf des Buches beschreibt er es als eine Fragetechnik, die von jedem angewandt werden kann, jedoch den Fokus auf Personen in leitender Tätigkeit legt. Dahinter verbirgt sich eine neugierige Haltung, die im Bewusstsein der Abhängigkeit von anderen und mit dem Wille aktiv eine Beziehung aufzubauen, sich selber in eine demütige Lage bringt und somit den Gesprächspartner in diesem Moment höher stellt.
Dabei stellt der Autor drei verschiedene Arten von Demut vor, von denen nur eine – nämlich die im hier und jetzt – für das Humble Inquiry von Bedeutung ist.
Humble Inquiry  wird in dem Werk von anderen Fragetypen, wie dem diagnostischen und dem konfrontativen Fragen abgegrenzt und ist abhängig von der eigenen Haltung, der Intention und dem Ziel.
Die Kultur, in der wir leben, beeinflusst nach der Meinung von Edgar Schein maßgeblich unsere Umgangsweise mit anderen. Im vorliegenden Text werden Gegebenheiten erläutert, die besonders bedeutsam für die Anwendung von Humble Inquiry sind: Es werden die konkurrierenden Rollen von Aufgabenerledigung und Beziehungsaufbau, die Kultur des Sagens und Belehrens im Gegensatz zum Fragen und der Kontext der besonderen Herausforderungen einerseits von zukünftigen Aufgaben und andererseits für Führungskräfte dargelegt.
Auch Hemmnisse wirken laut dem Autor auf die Anwendung von Humble Inquiry. Diese werden in dem Text unterteilt in Status, Rang und Rollengrenzen und Intrapsychische Kräfte.
Edgar Schein beschreibt den Vorgang, die Haltung des Humble Inquiry zu entwickeln mit einigen Tipps, die helfen sollen, die vorher genannten Hemmnisse zu überwinden.
Das dargelegte Konzept des Humble Inquiry speist sich aus der 50-jährigen Erfahrung des Autors im Bereich der Unternehmensberatung.

IV Humble Inquiry in der Praxis – Wer? Wie? Wozu?
In seiner Einleitung berichtet Edgar Schein aus seiner Tätigkeit in der Unternehmensberatung und führt an, dass viele Unfälle, sei es im Gesundheits-, Chemieindustrie-, Flugverkehrssektor oder in sonstigen Bereichen, verhindert werden könnten, wenn niedriger gestellte Mitarbeiter sich trauen würden, wichtige Informationen an höhere Stellen weiterzuleiten, oder wenn solche Informationen besser angenommen würden. Von diesem Standpunkt, welcher im Buch mit Beispielen (Operationsteam) versehen wird, nimmt er den Leser mit auf die Entdeckungstour von Humble Inquiry. Dieser Start ist sehr gelungen, da er sich einprägt. Man kann sich, soweit man etwaige Erfahrungen bereits gemacht hat, oder sie sich wenigstens vorstellen kann, sofort mit der Situation identifizieren und hat somit einen Ausgangspunkt, der das Anwenden von Humble Inquiry wirklich bedeutsam macht. Im Buch streut der Autor immer wieder verschiedene Beispiele und Anekdoten ein, die aufzeigen, welchen Mehrwert Humble Inquiry hat und sorgt auch mit Gegenbeispielen für die nötige Abgrenzung. Humble Inquiry eignet sich meiner Meinung hervorragend dazu, Führungspersönlichkeiten einen Kompass an die Hand zu geben, der ihre Haltung ihren Mitarbeitern gegenüber immer wieder in die richtige Richtung bringt. Ständig befindet man sich, nicht zuletzt durch die ans Ende der Kapitel gestellten Fragen, in einer Reflexionshaltung, die einen kritisch über sich und seine Verhaltensweisen im Umgang mit anderen nachdenken lässt.
Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Buch, wenn man es als Wegweiser versteht, eigene Haltungen entweder neu zu koordinieren, oder die bereits eingeschlagene Richtung beizubehalten.

 

Viel Spaß beim Lesen,

 

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