Finanztipp

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28.03.2017 | Finanzentscheidungen

Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen

 

          Hartmut Walz

          Einfach genial entscheiden in Geld- und
          Finanzfragen

          Haufe Lexware

          Deptember 2016

         

          ISBN 978-3648085448

 

 

 

 

Buch­re­zen­sion von Svenja Leimbach (2017, Studentin der Psycho­logie)

 

„Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.“ (Albert Einstein). Dabei möchte Hartmut Walz helfen. „Einfach genial entscheiden in Geld-und Finanzfragen“ vermittelt grundlegendes Wissen, Metaregeln und Verständnis des Anlagenuniversums sowie einzelner Anlagemöglichkeiten. Das gelingt dem Autor meiner Meinung nach auch sehr gut: Walz erklärt sehr anschaulich und verständlich, ohne wesentliche Punkte auszulassen. Für Leser mit viel Interesse gibt es zusätzliche Informationen in Infoboxen und nach jedem Kapitel gibt es neben Quellennachweisen auch weiterführende Literatur. Auch ein Leser mit wenig Zeit kann von dem Buch profitieren: Die Kapitel sind einzeln verständlich lesbar, das heißt, die interessierenden Kapitel können hinausgepickt und gelesen werden. Oder es können auch nur die „zentralen Ergebnisse“ und die „konkreten Handlungsempfehlungen“ an den Kapitelenden gelesen werden.
Das Buch ist in die vier Teile, A bis D, gegliedert.

 

„Situationsanalyse und Rahmenbedingungen“

In Teil A erklärt Walz zunächst die aktuellen Rahmenbedingungen, unter denen Geldanlage- und Vorsorgeentscheidungen zu treffen sind. Dabei nennt er die Niedrigzinspolitik, eine starke Zunahme der Notenbankbilanzen, Minuszinsen, die Abschaffung des 500-Euro-Scheins und einige mehr. Dennoch zieht der Autor den mit dem Kapitel gleichlautenden Schluss „Man kann nur mit den Mädels tanzen, die da sind“, d. h. man müsse sich mit den bestehenden Rahmenbedingungen arrangieren – ändern könne man sowieso nichts- und liefert bereits Ansatzpunkte, wie mit der aktuellen Situation in finanziellen Themen umzugehen sei.

 

„Metaregeln der Geldanlage und Vorsorge“

Teil B erklärt Metaregeln für die Geldanlage. Diese sind Ratschläge, mit deren Kenntnis und Anwendung der Leser in Geldanlageentscheidungen langfristig profitieren könne. Sehr anschaulich erläutert Walz die Hintergründe und die Problematiken, die diesen Metaregeln zugrunde liegen. Zudem werden auch die sich daraus ergebenden Konsequenzen, und die Handlungsempfehlungen klar. Das Lesen einiger Metaregeln finde ich aber nahezu abschreckend, da ein Leser hier unter anderem erfahren muss: „Am Ende gewinnt stets die Bank!“ (S. 68) (hierbei geht es um die unnötig komplexen Vertragswerke und Informationen, die der Bank, nicht dem Kunden nützen). In einem weiteren Kapitel zeigt Walz auf: Ihr Bankberater verliere kein Geld, falls Ihre Anlage scheitert, verdiene aber an deren Gewinnen mit; Sie aber verlieren Geld bei Misserfolg der Anlage (vgl. S. 80 f.). Ein anderes Kapitel (B.6) trägt den Namen „Ihr Geld hat jetzt ein anderer“- dieses handelt von den Kosten, auf die man laut Walz bei Finanzdienstleistungen achten und möglichst vermeiden sollte. Zwar hat Walz mit diesen Aussagen Recht, dennoch verliert das Buch an diesen Stellen seine sonst vorhandene amüsante Leichtigkeit.


Trotzdem: Es gibt auch viele amüsant gestaltete Regeln, wie z. B. bei der Lindy-Regel: Walz leitet das Kapitel mit einem Dialog zwischen ihm und einem aufdringlichem Finanzproduktverkäufer ein. Dieser möchte ihm ein neues Zertifikat verkaufen, Walz lehnt aber ab – es gelte die Lindy-Regel, die auf „Lindy’s Law“, einen von Albert Goldman 1964 herausgebrachten Zeitschriftenartikel, zurückgehe.  Die wesentliche Aussage von „Lindy’s Law“ war, dass die künftigen Erfolgschancen eines TV-Comedians proportional zu der Zeitdauer, die dieser bereits im Fernsehen präsent war, seien. Der Name Lindy kam zustande, da das Restaurant, in dem die Regel durch allabendliche Gespräche entstanden war, Lindy’s Restaurant hieß (vgl. S. 76). Übertragen auf die Geldanlage hieße das, dass lang bewährte Anlagemittel, z. B. Gold, höhere langfristige Erfolgschancen hätten als neuartige Finanzprodukte.


Auch spannend und unterhaltsam zu lesen finde ich die vielen Metaphern, mit denen Walz besonders in Teil B (aber auch in den anderen Teilen!) arbeitet. Sie passen sehr gut, und helfen, das Verständnis für die Sachverhalte zu erleichtern und zu vertiefen. Ein Beispiel hierfür ist das Kapitel B.8:  „Ein Tausendfüßler rutscht nicht aus [-] Streuen Sie Ihre Geldanlagen, denn: Wer gut streut, der rutscht nicht“ (und fällt nicht). Der Tausendfüßler stehe für die naive Diversifikation: Je mehr Einzelanlagen in ein Portfolio einbezogen werden, desto stärker sinke generell das Gesamtrisiko (vgl. S. 129). Walz warnt aber auch vor Überdiversifikation und erklärt die systematische Diversifikation, welche er anhand eines Diversifikationsfächers veranschaulicht (vgl. S. 132 f.). Auch bei der Regel „Stress mich! Mach mich stark!“ erklärt der Autor sehr anschaulich mit einer Sportmetapher den Cost-Averaging-Effekt, und vergleicht mit anderen Anlagestrategien. Besonders gut funktioniere der Effekt bei stark schwankenden Anlagen. Somit sollte man Risiko nicht scheuen, sondern bereit sein, dies einzugehen. Doch eins bleibt unklar: Wie gut kann es einem sehr risikoscheuen Anleger gelingen, diesen Stress auszuhalten? Auch die letzte Regel, die den gereimten Titel „Hin und her- Taschen leer“ (Kap. B.12, S. 158 ff.) trägt, ist nett zu lesen: Der Reim versinnbildlicht die aktive Anlagestrategie, bei der hohe Transaktionskosten, und nicht unbedingt mehr Gewinne, als bei einer passiven Anlagestrategie, entstehen. Auch wird die Unterscheidung der aktiven und der passiven Anlagestrategie um einen Dialog über die Auswahl einer Schlange an der Einkaufskasse ergänzt: Rennt man zur kürzesten (aktive Anlagestrategie) oder vertraut man darauf, dass die anderen Einkäufer (Marktteilnehmer) für gleich lange Schlangen sorgen (passive Anlagestrategie)?

 

„Verstehen des Anlageuniversum und des Unterschieds zwischen Anlageklassen und Anlagevehikeln“

In Teil C erklärt Walz das Anlageuniversum und geht auf die Unterschiede zwischen Anlageklassen und Anlagevehikeln ein. Einen Bestandteil dieses Teils stellt die Einführung des „einfach geniale[n] Siebenecks“ zur Bewertung von Anlagemöglichkeiten dar. Kritik übt Walz am „Magischen Dreieck“ (vgl. S. 173): Dieses wird Ihnen vielleicht bekannt vorkommen. Es wird von manchen Finanzproduktverkäufern benutzt, um die Kunden im Zielkonflikt zwischen Rendite, Sicherheit und Liquidität zu positionieren und bewirkten damit bei den Kunden eine „manipulative Verengung der Entscheidungsmöglichkeiten des Anlegers“ (S.173). Es gebe nämlich vorteilhaftere Anlageformen, die alle drei Kriterien relativ gut erfüllen, und wenig vorteilhafte, die keine der drei Kriterien gut erfüllen. Die sieben Bewertungskriterien des „einfach genialen Siebenecks“ (Transparenz, Kosteneffizienz, Sicherheit, Steuerliche Vorteilhaftigkeit, Liquidität, Inflationsschutz, Rendite vor Steuern) erläutert er ausführlich (S. 174 ff.). Man kann das Siebeneck auf der Homepage downloaden und zur Bewertung eines konkreten Anlageprodukts verwenden- Allerdings ist nicht ganz klar, wie die Punktevergabe für die Kriterien erfolgen soll – per subjektiver Einschätzung? Positiv ist, dass das Siebeneck mehrfach in Teil D zur Bewertung der einzelnen Anlageklassen und –vehikel verwendet wird, womit er deren Bewertungsverständnis unterstützt und verbildlicht.


Der Autor unterstützt seine Ausführungen oft mit Tabellen, insbesondere, um zu vergleichen – wie z. B. die Unterschiede zwischen Anlageklassen und –vehikeln (S. 182), oder zwischen Provisionsberatung und (echter) Honorarberatung (S. 93 ff.). Damit gestaltet er die Inhalte sehr übersichtlich. Zudem verwendet er Grafiken, um Vorgehensweisen u. Ä. zu illustrieren – in Teil C zum Beispiel einen Entscheidungsbaum um sich für eine Anlageklasse oder ein Anlagevehikel zu entscheiden (S. 187); oder den bereits erwähnten Fächer zur Diversifikation (S. 133).

 

„Einzelanalyse wichtiger Anlageklassen und Anlagevehikel“

In Teil D schließlich analysiert Walz mehrere Anlageklassen und Anlagevehikel einzeln und zeigt deren Eigenschaften und Kritikpunkte auf. Stellen sie gute Investitionsmöglichkeiten dar? Er widmet jeder Anlagevariante, den klassischen, altbekannten, aber auch wesentlichen unbekannten, ein Kapitel:
Walz führt aus, dass Aktien, solange man einen langen Zeithorizont habe, tendenziell ungefährlich seien (vgl. S. 200 ff.), womit er vermutlich die meisten Menschen beruhigt. Schade finde ich, dass Walz auf das Thema Risiko hauptsächlich von der finanziellen Seite aus betrachtet, kaum von der psychologischen – Wie viel Risiko will man eingehen?. Auch vermisse ich „Risiko“ im Glossar. Was Immobilien angeht, macht er klar, dass ein selbstgenutztes Haus als Konsumgut zu betrachten sei, und der Fokus auf emotionaler Rendite liegen sollte, nicht auf der finanziellen (vgl. S. 244 ff.). Der Ratschlag „Machen Sie sich bewusst, dass selbstgenutzte Immobilien i. d. R. durch positive Emotionen stark verzerrt wahrgenommen werden, und versachlichen Sie.“ (S. 250) ist meiner Meinung nach aber nur bedingt hilfreich- Eine Versachlichung einer so emotionalen Erfahrung wie einem Hauskauf, besonders, wenn ein Haus den Grundstein für ein langfristiges, glückliches Familienheim sein soll, finde ich schwierig und nicht vollends möglich.


Walz` zentrale Botschaft aus Kapitel 6 ist: „Schließen Sie grundsätzlich keine Lebens- oder Rentenversicherung ab. Gleiches gilt für Riester- und Rürup-Produkte.“ (S. 281). Auch gibt er Empfehlungen für den Fall, dass man bereits eine Lebensversicherung o. Ä. abgeschlossen hat, wann man sich aus Verträgen zurückziehen sollte, und wie (vgl. S. 279 f.). Ähnliches gelte für Bausparverträge: ganz wahrscheinlich lohne es sich nicht, angesichts aktueller Niedrigzinsen, mit dem Ziel, später ein Bauspardarlehen zu erhalten, einen Bausparvertrag abzuschließen (vgl. S. 263). Und auch Fondsgebundene Lebensversicherungen bekommen die Handlungsempfehlung „Wenn Sie bislang keine traditionelle Fondspolice abgeschlossen haben, so tun Sie das auch künftig nicht.“ (S. 295).


 „Superman ETF“ (Bild auf Seite 215) sei hingegen eine starke Empfehlung. Im entsprechenden Kapitel erklärt Walz, was ETFs überhaupt sind, welche Arten es gibt, welche die Vorteile passiven Investierens sind, und einiges mehr. Auch fürs Alter gibt es ein neues Vehikel, das der Autor vorstellt: Ein Sparplan mittels ETFs, der in einen Versicherungsmantel gesteckt wird, um steuerliche Begünstigungen des Vorsorgesparens zu erhalten. Mit einer Tabelle vergleicht er ETF-Sparpläne und die Netto-Fondspolice, und klärt, wann was geeignet ist (Kap. D.8).


Darüber hinaus geht Walz auf digitale Währungen ein; und auch auf exotische Sachanlagen. Extras in dem Buch sind QR-Codes, mit denen man zu ergänzenden Videos und Artikeln gelangt. Beispiel für einen QR-Code ist der Exkurs zu „Wenn’s Spaß macht. – Skurrile Möchtegern-Indizes“ (S. 312). Scannt man den QR-Code auf der Seite 230 gelangt man zur Rede von Dr. Jens Weidmann mit dem Thema „Papiergeld – Staatsfinanzierung – Inflation. Traf Goethe ein Kernproblem der Geldpolitik?“, die ich sehr lesenswert fand.


Besonders in Teil D kann man sich als Leser entscheiden, wie ausführlich man sich informieren will: Man kann alle Kapitel lesen, oder nur die der Anlageklassen, bzw. –vehikel, die man selbst hat, oder haben möchte. Oder man kann sich sogar auf nur die konkreten Handlungsempfehlungen beschränken. Lesenswert und informativ sind auf jeden Fall alle der Kapitel.


Auf der Website www.schließlich-ist-es-ihr-Geld.de findet man Rechner um z.B. Realzinsen zu berechnen, Checklisten (z. B.: Fragen an Ihren Finanzproduktverkäufer). Die Geldweisheiten auf der Internetseite stimmen zum Teil nachdenklich, zum Teil amüsieren sie – auf jeden Fall einen Blick wert!

 

Mein Fazit:

Das Buch ist perfekt, um sich Wissen über Geldanlage anzueignen, und daraus gelungene Anlagestrategien abzuleiten. Es ist geeignet für all diejenigen, die sich in ihren Finanzentscheidungen unabhängig von Finanzproduktverkäufern und Banken machen wollen, und selbstständig Entscheidungen treffen wollen. Auf eine unterhaltsame Art, bei der es Spaß macht, das Buch zu lesen und sich mit Finanzthemen zu beschäftigen, lernt man eine Menge. Auch liefert das Buch Entscheidungshilfen, gerade wenn man sich darüber Gedanken macht, in was man investieren möchte. Auf der finanziellen Seite der Geldanlage wird umfassend und verständlich informiert; für emotionale Unterstützung, z.B. bei der Versachlichung des Hauskaufs oder bei dem Umgang mit Risiko (s. o.) bietet Walz neben sachliche Informationen leider nicht allzu viel.
Alles in allem lautet meine konkrete Handlungsempfehlung: Investieren Sie in das Buch, Sie werden davon profitieren. Diese Meinung haben auch 28 von 28 Rezensenten mit einer Bewertung von 5 Sternen bei Amazon (Stand 08.02.2017)!

 

Zur Person:

Hartmut Walz ist 1960 geboren, und ist seit 1993 Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein.
Zudem hat er mehrere Wirtschaftsbücher und Fachpublikationen veröffentlicht, u. a. das Buch „Einfach genial entscheiden“.

 

 

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