Charlie Munger. Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen

Buchtipp - Klare Regeln, um ein erfolgreicher Investor zu sein: Dummheit vermeiden, viel Geduld und wenig Aktionismus.

Charlie Munger. Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen

 

Griffin, T. und Leber, H. Charlie Munger FinanzBuch Verlag 2016 

Charlie Munger. Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen

Buchrezension von Walter Usselmann (2016, Student der Psychologie und Praktikant bei FCM)

Inhalt
Das Buch besteht aus insgesamt sieben Kapiteln. Der Leser wird gleich zu Beginn in das System für Value-Investing nach Graham eingeführt. Schon Graham bemerkte, dass die meisten Menschen nur an der Rendite interessiert sind und zu wenig auf das Risiko blicken. Doch eine langfristig ausgelegte Risikoaversive Strategie bringt über lange Zeit mehr Erfolg. Die meisten Anleger sind jedoch stets auf der Suche nach Superperformern, die ein nicht zu kalkulierendes Risiko beherbergen. Value-Anleger hingegen verzichten auf Prognosen für die Zukunft.

Das dritte Kapitel behandelt das Konzept zur Weltklugheit. Munger denkt, dass es besser ist, ein großes Allgemeinwissen in vielen Bereichen zu haben, als sich in nur einem Gebiet exzellent auszukennen. Der beste Ansatz ein Problem zu lösen, sei ein multidisziplinärer. Einen solchen Standpunkt habe ich bis dato zum ersten Mal gehört. Denn ich bin im Glauben aufgewachsen, es sei am besten, sich in einem Fachbereich zu spezialisieren.

Dem Kapitel vier und fünf sind die Themen „Die Psychologie der menschlichen Fehlurteile“ und „Anlegertugenden“ gewidmet. Jeder Investor steht vor dem Dilemma seine eigenen Fähigkeiten stark zu überschätzen. Dadurch neigt der Mensch, sich in Bereichen zu positionieren, die außerhalb seiner Kompetenz liegen. Selbstüberschätzung in Verbindung mit übertriebenem Optimismus sorgt dafür, dass man Informationen nur sehr selektiv aufnimmt, welches zwangsläufig zu Fehlentscheidungen und damit großen Verlusten führt.

Für Munger existieren klare Regeln, um ein erfolgreicher Investor zu sein. Sein Schlüssel für seinen Erfolg sieht er in der Einfachheit seiner Vorgehensweise. Munger versuchte, Probleme rückwärts anzugehen. So pflegte er zu sagen, indem man Dummheit vermeidet, verhält man sich intelligent. Problematisch sei aber auch eine zu hohe Intelligenz. Sie verleite zu sehr, den Markt vorhersagen zu wollen, was immer zum Scheitern verurteilt ist. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Das ist einer der Gründe, warum mir der Value-Ansatz so gut gefällt. Für die meisten Menschen ist es schwer zu verstehen, dass sich das meiste Geld mit Geduld und wenig Aktionismus verdienen lässt.

Was Personen im Einzelnen unter Risiko verstehen, kann sich von Person zu Person stark unterscheiden. Nach Buffet beispielsweise ist Risiko etwas, das entsteht, weil man nicht weiß, was man tut (S.134). Für Munger bedeutet Risiko die Möglichkeit eines dauerhaften Kapitalverlusts oder das Risiko unzureichender Rendite. Beide glauben also nicht wie viele andere, dass sich das Risiko messen lässt (S.133). Wenn Munger überlegt, ob er ein Unternehmen kaufen soll, versucht er nicht zukünftige Gewinne zu erraten oder bezieht sich auf sonstige Berechnungen. Er versucht das Unternehmen dahinter zu verstehen. Und sollte er es nicht zu 100 Prozent verstehen, legt er das Unternehmen in seinen „zu-schwierig-Korb“ ab und investiert einfach nicht. Das ist auch der Hauptgrund, warum er nicht an Technologiekonzernen interessiert ist. Die technische Entwicklung verläuft einfach viel zu schnell. In der Einfachheit liegt der Schlüssel:

„Wenn jemand Ihnen etwas verkaufen möchte, für das Sie Entscheidungen treffen müssten, die zu schwierig für Sie sind, sollten Sie nein sagen. Warum sollten Sie etwas Schwieriges tun, wenn es auch Anlagemöglichkeiten gibt, die nur einfache Entscheidungen erfordern?“(S.149)

Munger hat den Wunsch, dass Menschen das Denken lieber selbst übernehmen. Leider scheinen die meisten Menschen aber keine unabhängigen Entscheidungen treffen zu können oder zu wollen. Dazu fehlen den meisten Menschen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale. Er glaubt aber, erfolgreiches Investieren kann man lernen. Denn selbst ein Charlie Munger ist vor menschlichen Fehlurteilen nicht gefeit. Jedoch ist es beispielsweise durch Checklisten möglich, Verhaltensweisen hinter sich lassen, die zu schlechten Entscheidungen führen.

Im Schlusskapitel „Berkshire-Mathematik“ werden einzelne Bestandteile der Investmentbestandteile erläutert. Dort taucht auch der Begriff „Schutzgraben“ auf, welcher eines der wichtigen Komponenten in der Unternehmensauswahl spielt. Aber wodurch zeichnet sich ein solches Unternehmen im Einzelnen aus? Zunächst einmal hat ein Schutzgraben die Funktion, eine Burg vor Angreifern zu schützen. Überträgt man dies auf Unternehmen, gleicht dies einem Wettbewerbsvorteil aufgrund seiner Größenvorteile, Patenten sowie herausragenden Qualität.

Zur Person 
Charles Thomas Munger
zählt heute zu den bekanntesten Investoren in Welt. Der heute 92 jährige ist seit fast 40 Jahren Vizepräsident der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, seitdem seine eigene Investmentgesellschaft Wheeler, Munger & Co. von Großinvestor Warren Buffet übernommen wurde. Bevor sich Munger jedoch dem Investment verschrieben hatte, war er als Anwalt tätig, bis Buffet ihn überreden konnte, sich in Vollzeit mit dem Investieren zu beschäftigen. Obwohl sein Investmentansatz dem Buffets verblüffend ähnelt, gibt es entscheidende Unterschiede in deren Persönlichkeit. Munger nimmt nie ein Blatt vor dem Mund. Er gibt stets direkte Antworten ohne dabei gesellschaftliche Konventionen zu achten. So lockt die alljährliche Hauptversammlung von Berkshire, die „The Warren and Charlie-Show“ wie sie auch genannt wird, zahlreiche Aktionäre an. Die Besonderheit der Beiden liegt darin, dass sie stets die gleiche Meinung vertreten. Im Anschluss an eine Aussage Buffets folgt deshalb oft die berühmte Antwort Mungers „Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen“(I have nothing further to add).

Schlusswort 
Ich finde das Buch sehr gelungen. Obwohl Charlie Munger als einer der größten Investoren der Welt gilt, ist dies das erste Buch, das ausschließlich ihm gewidmet ist. Die unzähligen Zitate von Munger und Co. sorgen dafür, dass ich zu jederzeit einen Einblick in seine Denkstrukturen habe. Für alle die schon immer mal wissen wollten, wie ein erfolgreicher Investor denkt und worauf er achtet, ist dieses Buch genau richtig. Wer jedoch auf der Suche nach einer Anlageempfehlung oder speziell einer Strategie ist, wird vermutlich nicht fündig werden. Für Personen die explizit mehr über den Value-Ansatz von Berkshire erfahren möchte, sollten sich das Buch „Warren Buffet. Sein Weg, seine Methode, seine Strategie“ von Robert Hagstrom zu Gemüte führen.
 

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