Undercover in der Finanzindustrie

Buchtipp - Wie Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter Ihre Rente ruinieren und was Sie dagegen tun können.

Undercover in der Finanzindustrie

 

Malte Krüger und Alexander Schmidt Undercover in der Finanzindustrie
ISBN 9783959721172

Die Erwerbsbiographien werden immer kürzer, der Arbeitgeber häufiger gewechselt, als es früher der Fall gewesen ist, zu spät wird sich mit der Altersvorsorge beschäftigt oder es wird schlichtweg auf den Staat vertraut. Mit dieser Problematik ist Autor Malte Krüger nicht allein, denn allein in Deutschland sind Millionen von Mitbürgern und Mitbürgerinnen davon betroffen.

Nun stellt er sich die Frage, wie er diesbezüglich verfahren soll – soll er etwa aufgeben? Der Autor entscheidet sich dagegen. Im Stil von Günther Wallraff als investigativer Journalist taucht Malte Krüger in die Finanzindustrie hinein, um zu recherchieren und eine Lösung für sein Problem zu finden. Über Strukturvertrieb bis zur noblen Hamburger Privatbank, von Honorarberatung bis Fintechs: Alles wird von Krüger unter die Lupe genommen.

Zuerst noch von hohen Erwartungen getrieben, die mit einer positiven Naivität gepaart sind, kommt er doch schnell auf dem Boden der Tatsachen an. Er muss feststellen, dass alle Vorschläge zur Schließung seiner Rentenlücke eher Massenware mit finanziellem Halbwissen seitens der Berater und mangelhafter Transparenz, statt Maßkonfektion mit individueller Fachberatung entsprechen.

Während seiner Recherche lässt Krüger kein gutes Haar an der Finanzindustrie. So betitelt er jedes seiner Kapitel mit einem provokativen Slogan, wie zum Beispiel „Wenn’s ums Geld geht, besser nicht Sparkasse“ oder „Altersvorsorge in der Hand von Narren“.

Ungefähr in der Mitte des Buchs trifft Krüger auf Alexander Schmidt, Ex-Bankdirektor, Honorarberater und zukünftiger Co-Autor des Buchs. In Interviewform wird sich nun bis zum Ende über die Erfahrungen Schmidts in der Finanzindustrie ausgetauscht. Dies mutet, gerade in Anbetracht der vorherigen, kürzeren Kapitel, manchmal recht ausschweifend an und es wirft Fragen auf, weshalb nun die oberflächliche Betrachtung der einzelnen Institutionen aufgegeben wird. Bei seinen Empfehlungen widmet sich Schmidt ausführlich den verschiedenen Portfolios, der Kunde mit seiner individuellen Persönlichkeit wird nicht angesprochen.

Als Leserin habe ich mir mehr Kompaktheit der gewonnen Erkenntnisse gewünscht, um Empfehlungen abzuleiten. So bleibt es dem Leser überlassen aus dem Dialog Informationen zu gewinnen.

Auch hält das Buch meiner Meinung nach nicht ein, was der Titel verspricht. Der Autor agiert nicht “Undercover“ in der Finanzindustrie, denn dem Begriff nach hätte er für die Finanzindustrie arbeiten müssen. Krüger lässt sich jedoch von verschiedenen Akteuren der Finanzindustrie beraten, er recherchiert unter einem falschen Namen und gibt fiktive Einkommensgehälter an, um an Vermögensverwalter zu gelangen. Er ermittelt jedoch nicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch auf den eklatanten Mangel an finanzieller Bildung hinweist, der nicht nur in der jüngeren Bevölkerung zu finden ist, sondern sich durch alle Alters- und Bildungsklassen zieht. Gleichzeitig ermuntert es, sich eigenverantwortlich mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Dabei bietet dieses Buch eine erste Orientierung und dient zur Motivation derjenigen Personen, die auf den Fachjargon der Finanzindustrie eher mit Widerstand reagieren und sich den Zugang zur Finanzwelt somit blockieren. Gleichwohl sollte man beim Lesen wachsam bleiben und Krügers Recherche kritisch hinterfragen. So stellt sich doch sehr die Frage der Generalisierbarkeit einzelner Fälle auf die gesamte Finanzindustrie und weshalb dem Dialog mit Honorarberater Schmidt so viel Zeit gewidmet wird.

Viel Spaß beim Lesen und bleiben Sie kritisch!

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