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Mehr Finanzpsychologie in Forschung und Praxis - Bericht der Fachgruppe „Finanzpsychologie“

Finanzentscheidungen gelten häufig als rational und einkommensgetrieben. Doch stimmt das wirklich?


Forschung und Praxis zeigen, dass finanzielle Entscheidungen in hohem Maße von psychologischen Faktoren geprägt sind, zum Beispiel von Einstellungen, emotionalen Bedeutungen von Geld und den individuellen Entscheidungsgewohnheiten. 

In der Fachgruppe Finanzpsychologie des BDP haben wir im Februar 2026 das Thema „Mehr Finanzpsychologie in Forschung und Praxis“ aus finanzpsychologischer Perspektive betrachtet. In den Räumlichkeiten von FCM Finanz Coaching in Wiesbaden wurde das Thema in der zweieinhalbstündigen Veranstaltung durch einen kurzen Impulsvortrag vorgestellt. Die Veranstaltung richtete sich an Psychologen, Coaches, Berater sowie Studierende und bot Raum für fachlichen Austausch, Reflexion und praxisnahe Diskussionen. Ziel dieser Veranstaltung war es, den aktuellen Stand der finanzpsychologischen Forschung sichtbar zu machen, zentrale Erkenntnisse mit Anwendungsfeldern zu verknüpfen und gemeinsam zu diskutieren, wie Finanzpsychologie stärker in Wissenschaft und Praxis integriert werden kann. Beim Vortrag, einer Forschungsbetrachtung und den interaktiven Arbeitsphasen wurden sowohl theoretische Perspektiven als auch Anwendungsbeispiele der Finanzpsychologie beleuchtet. Im Folgenden werden zentrale inhaltliche Schwerpunkte der Veranstaltung zusammengefasst. 

Finanzpsychologie in der Forschung: Aktueller Forschungsstand

Zu Beginn wurde der aktuelle Forschungsstand der Finanzpsychologie eingeordnet. Dabei wurde deutlich, dass es sich um eine vergleichsweise junge Teildisziplin handelt, deren Erkenntnisse bis zum heutigen Zeitpunkt überwiegend aus angrenzenden Bereichen wie der Wirtschaftspsychologie oder der Verhaltensökonomie stammen. Entsprechend zeigt sich die Forschung derzeit noch fragmentiert und institutionell häufig in einzelnen Modulen oder Schwerpunkten verankert, während eigenständige Studiengänge oder Schwerpunkte bislang selten sind. Die Fachgruppe hat eine „Landkarte“ erstellt, die alle Orte aufweist, an denen aktuell Forschung und Lehre zum Thema „Finanzpsychologie“ an psychologischen Lehrstühlen stattfindet. 

Beispiel aktueller finanzpsychologischer Forschung

Zur Veranschaulichung aktueller Forschung wurde eine empirische Studie von Adrian Furnham & Mark Fenton- O´Creevy mit dem Titel Money attitudes, budgeting and habits aus dem Jahr 2024 vorgestellt. Die Zusammenhänge zwischen Geldeinstellungen, selbst einschätzender finanzieller Bildung, impulsivem Ausgabeverhalten und konkretem Finanzverhalten wurden untersucht. Anhand einer großen, repräsentativen Stichprobe aus dem Vereinigten Königreich wurde aufgezeigt, wie psychologische Faktoren mit Spar-, und Ausgaben- und Investitionsverhalten sowie der finanziellen Situation am Monatsende zusammenhängen. 

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass finanzielle Entscheidungen nicht ausschließlich durch ökonomische Rahmenbedingungen erklärbar sind, sondern in hohem Maße durch individuelle Einstellungen, Wahrnehmungen und Entscheidungsgewohnheiten geprägt werden.

In der Diskussion zum Thema Sparen und Sicherheit hat sich gezeigt, dass Altersvorsorge von vielen Menschen nicht als Investition, sondern als Sparen wahrgenommen wird. Auf einer identitätsbezogenen Ebene verstehen sich viele eher als „Sparer“ und verbinden damit Sicherheit, während Investitionen häufiger mit Risiko und Unsicherheit assoziiert werden. Aus finanzpsychologischer Perspektive unterstreicht dies die Bedeutung, Menschen als „Finanzentscheider“ anzusprechen, deren Entscheidungen und Handlungsmöglichkeiten aus der individuellen Risikobereitschaft, ihren Werten und individuellen lebensbezogenen Fakten heraus entstehen. 

Finanzpsychologie in der Praxis

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde der Fokus auf die praktische Anwendung finanzpsychologischer Erkenntnisse in Unternehmen und dem Privatleben gelegt. 

Im Praxisteil der Veranstaltung war der Ausgangspunkt die offene Frage: „Was, wie und wo wird Finanzpsychologie angewendet?“. In einer ersten Austauschphase (Think- Pair- Share) sammelten die Teilnehmenden eigene Assoziationen und Erfahrungen. Genannt wurden insbesondere Beratungs- und Coachingaspekte, aber auch Anwendungsfelder wie Medien, Marketing, Steuer- und Konsumentscheidungen sowie organisationale Entscheidungsprozesse in Unternehmen. 

In der gemeinsamen Diskussion wurde deutlich, dass Finanzpsychologie in vielen Praxisfeldern bereits eine Rolle spielt, häufig jedoch nicht explizit benannt wird. 

Im nächsten Schritt wurde der Fokus auf Unternehmen/ Organisationen gelegt. Anhand der Frage „Wird Finanzpsychologie in Unternehmen/ Organisationen angewendet, wenn ja, wie?“ wurden Themen wie Gehaltssysteme oder Pricing als Anwendungsfelder identifiziert. Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden, dass finanzpsychologische Ansätze vor allem auch dort relevant sind, wo Entscheidungen im Unternehmen unter Unsicherheit getroffen werden (Bsp. Investitionen). 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem privaten Kontext. In einer Gruppenarbeit zur Frage: „Was sagen Personen, die in einer emotional belasteten Lage sind, ohne Unterstützung?“ wurde sichtbar, dass finanzielle Entscheidungen häufig mit starken Emotionen wie Angst, Scham oder Überforderung einhergehen. Der Perspektivenwechsel bot Ansatzpunkte für eine gezielte Ansprache dieser Personen. 

Aus Praxissicht wurde hervorgehoben, dass Finanzentscheidungen wesentlich durch individuelle Motive und Entscheidungsgewohnheiten geprägt sind. Finanzpsychologie bietet hierfür einen zentralen Bezugsrahmen für Beratung und Coaching. 

Die Diskussion machte deutlich, dass finanzpsychologische Perspektiven insbesondere dort relevant sind, wo finanzielle Entscheidungen mit Unsicherheit, langfristigen Konsequenzen oder emotionalen Konflikten verbunden sind. 

Fazit: Das Fachgruppentreffen hat gezeigt, dass Finanzpsychologie sowohl in der Forschung als auch in der Praxis ein hohes Potenzial besitzt, finanzielle Entscheidungen differenzierter zu verstehen. Während ökonomische Faktoren weiterhin eine wichtige Rolle spielen, wurde deutlich, dass Einstellungen, emotionale Bedeutung von Geld und individuelle Entscheidungsangewohnheiten zentralen Einfluss darstellen. 

Gleichzeitig wurde sichtbar, dass finanzpsychologische Erkenntnisse bislang häufig fragmentiert vorliegen und in vielen Praxisfeldern nicht direkt genutzt werden. Genau hier liegt ein zentrales Entwicklungsfeld für die Finanzpsychologie. 

Das Treffen bot Raum, diese Perspektiven zusammenzuführen und Impulse dafür zu setzen, Finanzpsychologie in Gesellschaft und Wissenschaft stärker zu repräsentieren.

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