
Buchrezension von Lena Rüdenauer (2024, Psychologie-Studentin und Praktikantin bei FCM)
Das Buch „Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn“ von Lisa Feldman Barrett aus dem Jahr 2023 fasst neuste neurowissenschaftliche Erkenntnisse über den Aufbau und die Funktionsweise unseres Gehirns zusammen, die unser Verständnis vom Gehirn revolutionieren. Daraus ergeben sich neue Ansatzpunkte zur Erklärung der Wirksamkeit von Coaching sowie neue Anregungen für die Gestaltung eines erfolgreichen Beratungsprozesses. Finanzcoaches, Finanzberater und Finanzpsychologen werden hier bemerkenswerte neue Erkenntnisse gewinnen, die für ihre zukünftige Arbeit mit dem Menschen von hoher Relevanz sind.
Im Zentrum Barretts Erkenntnissen steht die Annahme, dass das Gehirn nicht zum Denken da ist, sondern seine Hauptaufgabe darin besteht, unseren Körper effizient zu regulieren. Dies ist vergleichbar mit dem Führen eines Haushaltsbuches, in dem die Einnahmen und Ausgaben des Haushalts festgehalten werden. In ähnlicher Weise steuert das Gehirn unsere biologischen Ressourcen mit dem Ziel der Energieeffizienz für unseren Lebenserhalt. Barrett erklärt, wie die Entwicklung und der Aufbau unseres Gehirns auf dieses Ziel ausgerichtet sind. Das Gehirn ist wie ein Netzwerk mit Knotenpunkten und Verbindungen aufgebaut. Dieses Netzwerk ist vergleichbar mit dem weltweiten Flughafennetz, in dem alle Flughäfen über die Knotenpunkte der großen Flughäfen miteinander verbunden sind und miteinander kommunizieren. Es entwickelt sich durch unsere Erfahrungen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter, durch jedes Wort und jede Handlung unserer Umwelt. Voraussetzung dafür ist, dass das was wir empfangen, auch irgendwo an unser Netz andocken muss, damit wir es verinnerlichen und lernen.
Lisa Feldman Barrett gelingt es, diese komplexen neurowissenschaftlichen Erkenntnisse mit vielen praktischen Beispielen und Metaphern anschaulich darzustellen und auf nur 150 Seiten zahlreiche Forschungsergebnisse zusammenzufassen.
Die dargelegten Erkenntnisse erschrecken, nicht nur weil sie sich bedeutsam von den bisherigen jahrzehntelangen Annahmen und Theorien unterscheiden, sondern auch, weil sie eine völlig neue Hauptfunktion des Gehirns enthüllen. Auch bedeuten sie, dass wir mehr Kontrolle über das Schaffen unserer Realität und mehr Verantwortung für uns selbst und unsere soziale Umwelt haben, als wir bislang dachten. Daraus ergeben sich für den kreativen Leser und die Leserin Ansatzpunkte für die Praxis von Finanzcoaches, Finanzberatern und Finanzpsychologen, die weit über die bisherigen Erkenntnisse hinausgehen.
„Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn“ bietet eine geballte Ladung voller wissenschaftlicher Erkenntnisse, die dazu anregen, bisherige Theorien über menschliche Entscheidungsfindung und Persönlichkeit grundlegend zu überdenken und ist daher eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die mit Menschen arbeiten.
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