
Hier sind zwei anschauliche Beispiele aus dem Alltag von Finanzplaner:innen und Kund:innen:
Gefühle als Navigationssystem für Finanzplaner
Sie begleiten eine Kundin oder einen Kunden. Der Finanzplan liegt vor. Die eine Kundin „fühlt“ sich beim Anblick der Darstellung „reich“, der andere bei vergleichbaren Zahlen „arm“. Dieses Gefühl ist real, gehört zu dieser Person und resultiert aus früheren persönlichen Erfahrungen in ihrer Lebensgeschichte.
Steht dieses Gefühl einer guten Entscheidung und Umsetzung der Empfehlungen des Finanzplaners im Wege oder nützt es einer tiefergehenden Diskussion, aus der sich eine Anpassung des Plans ergibt? Ein finanzpsychologisch fundiertes Gespräch wird den Nutzen ins Zentrum stellen.
Auch wenn eine leichte verzerrte Wahrnehmung (Money Dysmorphia) vorliegt, können reale Zahlen helfen. Gute Beraterinnen und Berater beobachten achtsam, ob die Zahlen eine Anpassung der Wahrnehmung und eine Änderung des Gefühls bewirken. Wenn ja, dann wird eine gute Entscheidung folgen.
Bei stärkerer Verzerrung können Coaching und in extremen Fällen von selbstdestruktivem Verhalten und psychischen Erkrankungen (Depressionen, Zwangshandlungen) sogar Psychotherapie angebracht sein. Ob eine solche Unterstützung sinnvoll ist, kann sich in einer Supervision für Finanzberater klären.
Intuition als wichtiger „Ratgeber“ für Finanzentscheider
Intuition wird in der Laiensprache auch als „Bauchgefühl“ bezeichnet. Dieses „Gefühl“ unterscheidet sich von Gefühlen wie Freude, Liebe und Ärger. Es basiert auf unbewusst gespeicherter Alltagserfahrung. In Entscheidungssituationen mit hoher Ambiguität (Unklarheit) kann es Geld und Leben retten.
Ihre Intuition gibt Ihnen also einen ersten Impuls. Versuchen Sie, diesem Impuls weiter nachzugehen und ihn durch Zahlen, Daten und Fakten zu untermauern.
Ein konkretes Beispiel: Sie suchen ein Angebot für Finanzcoaching. Sie finden zahllose Anbieter im Internet und fragen sich: „Klingt es seriös oder unseriös?" Ein erstes „Bauchgefühl“ entsteht, das sagt: „Das ist zu schön, um wahr zu sein.“ Nun beschleicht Sie ein anderes Gefühl: Die Sehnsucht nach schneller Freiheit durch Reichtum meldet sich und sagt: „Vielleicht ist es aber doch möglich?”
Wenn Fakten mit Intuition Hand in Hand gehen – das zählt beim Finanzcoaching:
Das sind objektive Warnsignale:
- Unklare Abgrenzung: Wenn aus Coaching plötzlich Anlageberatung, Produktempfehlung oder Finanztraining wird. Jede Dienstleistung hat ihren Wert, wenn sie zum Bedürfnis passt.
- Reißerische Versprechen: „Finanzielle Freiheit in 30 Tagen“ oder „Sicher 15 % Rendite“ – diese Versprechen sind unhaltbar!
- Fehlende Qualifikation: Kein Hinweis auf der Website über eine Ausbildung nach Coachingstandards, Begriffe wie „Zertifikat” ohne Nachweis – dies widerspricht der Coaching-Ethik von anerkannten Berufsverbänden.
Gefühle können rational sein, Intuition braucht manchmal Fakten zur Unterstützung. Doch beides trägt zu nachhaltig guten Entscheidungen bei. Nutzen Sie einfach beides!